Führen, folgen, Bindung…

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Führen, folgen, Bindung…

Wie und warum Dein Hund an Deiner Seite bleibt

Wie schaffst Du es Deinen Hund zu einem treuen Begleiter zu machen und was ist dafür nötig? Wir wollen in diesem Blogbeitrag ein paar hilfreiche und wichtige Grundsätze für eine gute Bindung aufzeigen um Euch zu einem noch besseren Team zusammenwachsen zu lassen.

Für eine gute Bindung muss Dein Hund vor allem als das angesehen werden was er ist – ein Hund! Deinen Hund zu lieben, zu streicheln und ihm Leckerchen zu geben ist wichtig – aber bei weitem nicht alles! Auch das andere Extrem über Druck und Strafe wird nicht funktionieren! Ein ausgewogenes Maß an freundlicher Konsequenz, Geduld und Beschäftigung ist hier die Devise.

Hündische Bedürfnisse

Um eine gute Beziehung zu Deinem Hund aufzubauen, musst Du vor allem seine Bedürfnisse kennen! Es reicht nicht, seine eigenen Bedürfnisse zu bedienen – „Ich gehe gerne joggen, daher passt doch ein Hund gut zu mir“ oder „Der ist so süß, den will ich unbedingt haben“. Jeder Hundebesitzer sollte sich bewusst sein, welche Bedürfnisse sein Hund hat und ob er Diesen gerecht werden kann und möchte. Dies ist eine Zeit, Geld und Willensangelegenheit.

Die Bedürfnisse von Hunden kannst Du in 2 Gruppen aufteilen und ihnen verschiedenste Unterpunkte zuordnen.

Die Grundbedürfnisse:

  • ausreichend gesundes und artgerechtes Futter
  • stets zur Verfügung stehendes, sauberes Wasser
  • Zeit für Erholung und Ruhephasen
  • genügend Gelegenheit sich zu lösen
  • medizinische Versorgung und Pflege
  • physische und psychische Auslastung
  • Sicherheit = körperliche Unversehrtheit, Lebenssicherheit, warmer und sicherer Schlaf- bzw. Rückzugsort

Soziale und individuelle Bedürfnisse:

  • Familienanschluss
  • Sozialkontakte mit anderen Hunden
  • positiven Zuspruch und Geborgenheit
  • Lernen und Weiterentwicklung
  • kontrolliertes Ausleben der genetisch fixierten Verhaltensweisen
  • Selbstverwirklichung und Individualität
  • ausreichend Beschäftigung
  • Regeln und Grenzen
  • sichere Führung

Die Bedürfnisse Deines Hundes können Rasse-, Alter- oder Gesundheitsbedingt sehr unterschiedlich sein. Um herauszufinden welche Bedürfnisse Dein Hund hat, musst Du ihn noch besser kennen lernen, mehr auf ihn achten und ihn bewusster wahrnehmen.

Vertrauen ist der Schlüssel

Eine unsichtbare Leine, die Dich mit Deinem Hund verbindet – der Wunsch jedes Hundehalters. Dies ist nur durch Vertrauen möglich. Vertrauen bedeutet den anderen für zuverlässig in seinen Reaktionen und Verhaltensweisen zu erachten. Man geht in der festen Erwartung, dass der andere es gut mit einem meint und seine Handlungen und Worte der Wahrheit entsprechen, eine Beziehung ein.

Damit Dein Hund Dir vertrauen kann, muss er Dich als besonnen, transparent, souverän und klar verhaltend wahrnehmen können. Nur wenn Dein Hund ein hohes Sicherheitsgefühl bei Dir empfindet, ist er in der Lage Dich als führungskompetent anzusehen.

Hunde besitzen die Fähigkeit sich neue Verhaltensweisen anzueignen, da sie das natürliche Bedürfnis haben, sich in ein Rudel einzufügen. Je mehr Dein Hund Dir vertraut, umso berechenbarer werden seine Verhaltensweisen und Reaktionen. Mit Hilfe von Vertrauen ist es möglich, dass Dein Hunde zuverlässig auf Deine Signale reagiert.

Hundesprache

„Obwohl der Mensch mit der Gabe der Sprache gesegnet ist, nutzt er sie zum größten Teil ohne Sinn und falsch. Tiere haben nur eine reduzierte Sprache, setzten sie aber nützlich und ehrlich ein; und ein geringes aber wahres Wissen ist besser als eine große Lüge.“ – Leonardo da Vinci

Wenn von Hundesprache die Rede ist, ist hauptsächlich das körpersprachliche Ausdrucksverhalten gemeint. Leider sind viele Hunde von Ihren Menschen aber „müde gesprochen“. Diese Hunde müssen sich für die Interaktion mit ihrem Menschen etwas für sie Umsetzbares heraussuchen. So entstehen der angebliche Dickkopf, Starrkopf, Lernunwillig, Dominate, Dumme oder nicht trainierbare Hund.

In einer guten Mensch-Hund-Beziehung ist die Kommunikation sehr wichtig! Damit Du mit Deinem Hund kommunizieren kannst, musst Du verstehen was er Dir mitteilen möchte und selbstverständlich auch wissen, wie Du Dich verständlich machen kannst. Daher ist es für Dich als Hundehalter, der sich eine gute Bindung zu seinem Hund wünscht unumgänglich sich mit der Hundesprache vertraut zu machen. Denn so wichtig das Training für die Grunderziehung auch ist – es ersetzt keine gute Kommunikation zwischen Dir und Deinem Hund. Ein häufiges Beispiel für fehlerhafte Kommunikation ist der „schuldbewusste“ Hund. Die Körpersprache des „schuldbewussten“ Hundes ist – geduckt, eingezogenen Rute, schräg angelegter Kopf mit angelegten Ohren, abgewandter Blick. Viele Menschen sind dann der Meinung die Hunde zeigen Schuldbewusstsein, sie wüssten genau dass sie Unrecht getan haben und verdienen daher eine Strafe. Ist es Dir auch schon einmal so ergangen? Leider ist das eine Fehlinterpretation und ein Missverständnis! In der Hundesprache wird ein aggressives Verhalten genau so beschwichtigt und ausgedrückt „Bitte tu mir nichts“. Das Resultat dieses Missverständnisses: Wir bestrafen einen Hund, der genau diese Strafe versucht zu umgehen, weil er merkt das der Mensch aggressiv ist – allerdings nicht weiß warum er es ist!

Kommunikation ist ein Sender-Empfänger-System – Du kannst also nicht erwarten, dass nur Dein Hund lernt Dich zu verstehen. Möchtest Du ganzheitlich mit Deinem Hund kommunizieren, solltest Du Dich der Gesten, Blicke, Tonlage der Stimme, Lautstärke sowie vieler anderer Einzelelemente des hündischen Ausdrucksverhaltens bedienen. All diese Elemente können kombiniert eingesetzt werden und ermöglichen es, die Aufmerksamkeit Deines Hundes zu bekommen. Einige gute Beispiele dieser kombinierten Kommunikation findest Du in der Grunderziehung, also in vielen der alltäglichen Signale. Diese werden häufig erst auf ein Wort z.B. „sitz“ und dann auf die Körpersprache „den aufrechten Zeigefinger“ konditioniert. Im Alltag achten wir Menschen häufig nicht genügend darauf, was wir unseren Hunden durch die Körpersprache vermitteln – unsere Körpersprache und Worte weichen in Hundeaugen dann häufig voneinander ab.

Um Missverständnisse am besten vermeiden zu können, solltest Du Deinem Hunden keine menschlichen Motive unterstellen und lernen mehr auf seine wie auch Deine Körpersprache zu achten. Beim nächsten Mal, wenn Dein Hund vor lauter Verunsicherung etwas nicht umsetzen kann – achte einmal darauf ob Du nicht z.B. breitbeinig, breitschultrig, mit einem fixierenden Blick und lauter Stimme agierst. Versuche es dann seitlich abgewandt, ohne einen starren und festen Blick und mit einer freundlicheren Stimme.

Beziehung durch Grenzen setzten

Dein Hund muss wissen, was er darf und was nicht. Kennt er seine Grenzen, kannst Du ihm wertvollen Freiraum gewähren. Wenn Du Dich auf das wesentliche konzentrierst, kann das Zusammenleben mit Deinem Vierbeiner so einfach sein. Damit ist weder strenge Unterordnung oder Zwang gemeint. Es geht um simple und im Alltag integrierte Regeln. Ein paar Beispiele für wichtige Bereiche sind:

  • die Begrüßung
  • agieren statt reagieren
  • beschreiten enger Durchgänge
  • Nahrungsressourcen
  • sinnvoller Körperkontakt
  • Splitten

Auf ein sinnvolles Maß an Regeln & Grenzen aber auch von Freiraum kommt es an. Kontinuität ist wichtig für Deinen Hund. Hältst Du diese Regeln manchmal ein und manchmal nicht, machst Du es ihm nur unnötig schwer zu verstehen wo sein Stand ist. Mit Regeln machst Du Deinem Hund das Leben nicht schwer – im Gegenteil, sie sind für ein entspanntes Zusammenleben sehr wichtig.

Bewussteres Handeln

Handeln wir bewusst, wenn wir während des Spaziergangs telefonieren, mit den Gedanken bei unseren Alltagsproblemen sind oder durchweg mit anderen Spaziergängern quatschen? NEIN! Wir verpassen einen Großteil der Kommunikation unseres Hundes mit uns, wodurch er sich genau Dieses abgewöhnt. Warum mit uns Kommunizieren, wenn kein Feedback kommt? Warum uns anschauen, wenn wir es nicht einmal bemerken? Achten wir also zukünftig mehr auf das andere Ende der Leine und schenken unseren Vierbeinern, die nötige Aufmerksamkeit.

Mach Dir bewusst, was Dein Hund mag und was nicht. Womit kannst Du ihm eine Freude machen und an welchen gemeinsamen Unternehmungen hat er wirklich Spaß?!

Notiere 10 Dinge, die Dein Hund am liebsten mag in der Reihenfolge ihres Beliebtheitsgrades. Beginne mit der tollsten Sache und ende mit der langweiligsten. Überlege aus der Sicht Deines Hundes!

Hier ein paar Beispiele: hetzen, Spur verfolgen, Bällchen holen, geworfenes Leckerchen suchen, in Mäuselöchern buddeln, Futterbeutel, Käse, usw.

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Nutze diese Überlegungen für die nächsten Spaziergänge oder Spiele und beschäftige Deinen Hund bewusster. Schaff gemeinsame Erfolgserlebnisse, such gemeinsam nach der Beute, klettert gemeinsam über Bäume und verbringt aktiv gemeinsame Zeit. Du wirst merken, Dein Hund wird es Dir mit seiner Aufmerksamkeit und Verbundenheit danken!

By | 2017-11-13T16:40:06+00:00 Februar 24th, 2016|Training|0 Kommentare

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