Über den Sinn und Unsinn der Leine bei Hundebegegnungen

//Über den Sinn und Unsinn der Leine bei Hundebegegnungen

Über den Sinn und Unsinn der Leine bei Hundebegegnungen

Im 21. Jahrhundert ist die Leine ein notwendiges Übel und daher zu einem häufigen Begleiter geworden. Da wir diesen Umstand eh nicht ändern können, sollten wir lernen sie richtig zu nutzen und die Leine vor allem keinesfalls missbrauchen. Beim Thema Hundekontakt an der Leine reicht ein „Bitte nicht“ der Hundehalter leider oftmals nicht aus um auszudrücken, dass Sozialkontakte an der Leine nicht gewünscht sind. Im Gegenteil – meist provoziert diese Bitte lediglich Fragen, Widersprüche und Ratschläge, bringt jedoch nur selten Verständnis.

Über den Sinn und Zweck der Leine bei Hundebegegnungen

Was ist eigentlich eine Hundeleine und wozu dient sie? Laut Definition ist sie „ein Riemen, an dem ein Hund geführt wird“. Die Betonung liegt auf GEFÜHRT, die Leine ermöglicht es Dir Deinen Hund zu führen, ihm zu kommunizieren und zu zeigen wo es lang geht. Sie ist nicht dazu da, dass Dich Dein Hund durch die Gegend zieht, aber natürlich genauso wenig dafür, dass Du Deinen Hund hinter Dir herziehen kannst. Das gilt natürlich und auch besonders für die weit verbreitete Flexileine.

Die Leinenreichweite ist der private Bereich Deines Hundes

In einem von dir vorgegebenen Radius ermöglicht die Leine Deinem Hund sich frei zu bewegen. Er darf diesen Bereich nicht verlassen, im Gegenzug sollte aber auch niemand ungefragt oder sogar aufdringlich und stürmisch in seine Schutzzone eindringen. Permanente Belästigungen anderer Hunde sorgen dafür, dass der Bereich im Radius der Leine nicht mehr als geschützt angesehen wird. Wenn dauernd jemand in den Schutzbereich Deines Hundes latscht, sind die Folgen im schlechtesten Falle unter anderem Ängstlichkeit oder (Angst-)Aggressivität.

Die Leine ist nicht zur lästig – sie bietet auch Schutz

Wenn bei der Gewöhnung an Halsband & Leine alles richtig gemacht wurde, sieht Dein Hund diese als fühlbare Verbindung zu Dir, das gibt ihm somit Sicherheit und Vertrauen. Dauerndes Belästigen von anderen Hunden (was von den Haltern oftmals gar nicht als Belästigung erkannt wird / werden will), beschnuppern und körperliches Kontaktieren kann einen Hund stark verunsichern, ängstigen und auslösen, dass er sich in die Enge gedrückt fühlt. Auch das Gefühl der Verbindung über die Leine und das Vertrauen zu Dir kann erheblich darunter leiden.

Führe Deinen Hund AKTIV an der Leine

Durch das anleinen gibst Du Deinem Hund im besten Falle Richtung und Tempo vor und beanspruchst gleichzeitig seine Konzentration. Die wenigsten Halter lassen ihren Hund „aktiv“ und kontrolliert zu anderen hingehen. Wenn der Hund jedoch lernt, dass er nur fest genug an der Leine zerren muss, um zu seinem Hundekumpel zu gelangen, dann war es das ganz schnell mit der Leinenführigkeit. Er lernt lediglich: Ich ziehe und Du folgst!

Verheddern und verletzen ist vorprogrammiert

Du hast es sicher selbst schon erlebt oder gesehen. Springen sich zwei angeleinte Hunde aufgeregt entgegen verheddern sich die Leinen unweigerlich. Durch das Spiel an der Leine und ungeschickte Befreiungsversuche sind Verrenkungen, Zerrungen oder andere Verletzungen schnell geschehen – die Flexileinen sind in diesem Fall besonders gefährlich.  Aber nicht nur das Leinenchaos ist gefährlich, auch die (spielerischen) Sprünge ins Halsband sind oftmals kein Zuckerschlecken für Hund und uns Halter.

„Die müssen sich doch mal beschnuppern können“ – Von wegen!

Hunde werden für Mantrailing, als Drogenspürhunde, Rettungshunde usw. eingesetzt. Die Hunde müssen sich nicht zwangsläufig beschnüffelt – vermutlich haben sie sich schon erschnüffelt bevor Du den anderen Hund überhaupt gesehen hast. J Die Riechleistung Deines Hundes ist enorm! Um den Entgegenkömmling als Rüden oder Hündin zu identifizieren muss er seinen Riechkolben weder in den Hintern seines Artgenossen stopfen, noch anderen direkten Kontakt aufnehmen.

Vielleicht möchte er das gerne, vielleicht möchte aber der andere Hund es nicht!

Dein Hund ist soooo lieb, wieso erkennen die anderen Hunde das nicht?

Ganz einfach, weil er sich ziehend und zerrend körpersprachlich nicht richtig ausdrücken kann. Seine nach vorn gelehnte Haltung, das Keuchen, Hecheln und Blickfixieren – das alles kann von anderen Hunden als Aggression gedeutet werden und Missverständnisse hervorrufen.

FAZIT: Sozialkontakte an der Leine – ja oder nein?

Nein!

Alleine die Tatsache, dass etwas passieren könnte sollte uns Hundehaltern Warnung genug sein. Weder weißt Du hundertprozentig wie Dein Hund auf den „Fremden“ reagiert, noch wie eben dieser Deinem begegnet. Er kann ängstlich, aggressiv, schlecht gelaunt, panisch, krank oder verletzt sein. Eventuell hat der Halter ihn erst ein paar Stunden vorher aus dem Tierheim geholt und kann sein Verhalten noch überhaupt nicht einschätzen – vielleicht ist er aber auch einfach so an der Leine.

Die Regel ist einfach: Ist einer angeleint, dann sollte der andere auch an die Leine genommen werden. Kommt Dir ein Hund frei entgegen – Leinen los 😉

Aber das Wichtigste ist:

Respektiert Einander und die Wünsche des Gegenübers. Fragt die anderen Hundehalter, ob man die Hunde zueinander lassen darf und akzeptiert im Zweifel auch ein „Nein“ als Antwort.

Bildquelle: www.tasso.net

By | 2015-10-29T15:53:24+00:00 Oktober 29th, 2015|Training|0 Kommentare

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