Verhalten aus dem Napf – Dein Hund ist was er is(s)t

//Verhalten aus dem Napf – Dein Hund ist was er is(s)t

Verhalten aus dem Napf – Dein Hund ist was er is(s)t

Oft werden wir gefragt, wie wir darauf gekommen sind gemeinsam HeimatHund zu gründen. Abgesehen von viel Wein und Kuchen waren hier vor allem unsere eigenen Erfahrungen und Ansichten vorherrschend. Uns war klar, dass eine Kombination von Hundeverhaltenstherapie & Ernährungsberatung unumgänglich ist. In diesem Beitrag soll es im Einzelnen aber nicht um Futtermittel oder Kurse gehen, sondern um den Einfluss der Ernährung auf das Verhalten Deines Hundes.

Die wenigsten Hundehalter (und aktuell leider auch noch die wenigsten Hundeschulen) kommen auf die Idee das Training durch eine individuelle Ernährung zu unterstützten und somit positiv auf das Verhalten einzuwirken. Das mag zum einen daran liegen, dass die Popularität einer solchen Herangehensweise auch in der Humantherapie nur langsam steigt, zum anderen daran, dass die Bereiche Ernährungsberatung und Hundetraining(-verhaltenstherapie) zumeist stark abgegrenzt voneinander betrachtet werden.

Was hat die Ernährung mit dem Verhalten zu tun?

Der Organismus des Hundes ist sehr komplex. Beispielsweise sind Nervensystem, Hormonsystem und das Gehirn für die Körperfunktionen zuständig. „Und? Was hat die Ernährung damit zu tun?“, fragst Du Dich?

Einiges! Angefangen mit der Nährstoffversorgung für all diese Vorgänge, denn bei mangelnder Versorgung machen sich nicht nur körperliche Erkrankungen, sondern auch Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar. So könnte zum Beispiel latenter Schmerz oder Unwohlsein durch Fütterungsfehler dazu führen, dass der Hund schneller reizbar wird und aggressive Tendenzen zeigt.

„Einmal Blutabnahme, bitte!“ – Die Schilddrüse

Auch wir schicken viele Hundehalter solcher „Problemfälle“ erst einmal zum Tierarzt um die Schilddrüsenwerte zu überprüfen, denn bevor wir an der Futterschraube drehen, sollte abgeklärt worden sein, dass organisch alles in Ordnung ist. Letztendlich haben aber sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen Einfluss auf den Hundeorganismus und somit auch auf das Verhalten. Ist die Ernährung nicht bedarfsgerecht kommt es darüber hinaus zur Verschiebung dieser Hormone. Der individuelle Jodbedarf spielt hier natürlich die übergeordnete Rolle, doch auch andere Nährstoffe sind nicht zu vernachlässigen. Eisen- oder Zinkmangel können zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen, wohingegen ein Überschuss dieser Nährstoffe zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen kann. Diverse Substanzen in Bohnen, Erdnüssen und anderen Lebensmitteln oder eine zu calciumreiche Ernährung behindern die Jodaufnahme.

„Rohes Fleisch macht Hunde aggressiv“ – Wahr oder unwahr?

Unwahr! Aber…

Rohes Fleisch macht Hunde keineswegs aggressiv, doch auch hier ist es notwendig bedarfsgerecht und individuell zu füttern. Es gilt als erwiesen, dass ein zu hoher Proteinanteil im Futter zu einer verstärkten territorialen Aggression führen kann. Das hat mit der Umwandlung der Aminosäure Tryptophan in das Hormon Serotonin zu tun. Serotonin beeinflusst Stimmungen, Erregungszustände und Schmerzempfindlichkeit und ein Mangel gilt gemeinhin als Schlüsselfaktor bei der Entstehung von Aggressivität, asozialem Verhalten, Störungen der Aufmerksamkeit oder auch Angstzuständen. Obwohl man jetzt meinen würde, je mehr Eiweiß (Proteine) der Hund bekommt, desto mehr Tryptophan bekommt er auch, desto mehr Serotonin wird gebildet, ist diese Annahme leider falsch. Tryptophan konkurriert an der sogenannten Blut-Hirn-Schranke mit anderen Aminosäuren, z.B. mit Tyrosin und wird dort von diesen abgeblockt. Tyrosin ist die Vorstufe zu Dopamin, Noradrenalin (z.B. verantwortlich für hochgradige Erregungszustände, die letztlich auch zu Aggression führen können) und Adrenalin. Ein hoher Proteinanteil führt also dazu, dass weniger Serotonin gebildet wird.

Ein völlig ungeeigneter Eiweißlieferant ist z.B. Mais, da Mais sehr arm an Tryptophan ist und somit zu wenig Serotonin gebildet wird.

Aggression gegen Menschen oder auch Artgenossen scheint ein Problem zu sein, das immer häufiger auftritt. Dies könnte einen deutlichen Hinweis darauf liefern, dass bei vielen Hunden die Ernährung leider nicht optimal gestaltet ist. Es gibt mittlerweile eine Reihe Untersuchungen an Tieren und Menschen, die zeigen, dass die Serotoninproduktion einen großen Einfluss auf das Aggressionsverhalten hat.

Verhalten und Ernährung – Hand in Hand

Beziehen wir den Aspekt Ernährung mit ein, klopfen wir anfangs die grundlegenden Fragen ab: Was frisst der Hund überhaupt? Welche Komponenten sind enthalten, die eventuell zu unerwünschten “Nebenwirkungen” in Form von problematischem Verhalten beitragen könnten? Wie hoch ist der Eiweißgehalt? Sind alle Nährstoffe optimal abgedeckt? Und und und…

Da ein Blutbild oder auch ein sogenanntes Barf-Profil lediglich eine „Momentaufnahme“ darstellt, lohnt es sich die Fütterung auf die Bedarfsdeckung zu checken oder die Zusammenstellung direkt so zu wählen, dass das Verhalten möglichst positiv beeinflusst wird.

Ein kleiner Überblick:

Vitamine aus dem B-Komplex / Magnesium: beruhigende & stressmindernde Wirkung

Vitamin B6 / Zink: wirkt sich positiv auf unruhige Hunde aus

Vitamin B3: hat im zentralen Nervensyste eine ähnliche Wirkung wie angstlösende Beruhigungsmittel

Linolsäure / A-Linolensäure: wichtig für Gehirnfunktion (z.B. bei erhöhter Aggression, Angstzuständen, eingeschränkter Lernfährigkeit)

Protein: Anpassung verringert unter Umständen Agressivität

Eine Futterumstellung ersetzt NICHT das stetige und konsequente Training, ABER es kann durchaus unterstützen und es lohnt sich, die Ernährung in das Training / die Therapie einzubeziehen. Eine ruhige Grundhaltung als Basis für ein effektives Training – die richtige Ernährung hilft Dir und Deinem Hund dabei.

Bei Rationsüberprüfungen, Futterplänen nach Maß oder einer individuellen Beratung helfen wir Dir natürlich gerne.

By | 2017-11-13T16:40:06+00:00 Dezember 10th, 2015|Allgemein|0 Kommentare

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